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Die Pfaffenhofener Brauerei hat beim diesjährigen "European Beer Star" dreimal Gold und einmal Silber geholt und ist damit der erfolgreichste Teilnehmer

(ty) Mit 1957 Bieren aus 45 Ländern aller Kontinente wurden heuer so viele Biere wie noch nie zum „European Beer Star“ der privaten Brauereien eingereicht. Zwei Tage dauerte die Blindverkostung der 115-köpfigen, internationalen Jury bei dem weltweit renommierten Bier-­Wettbewerb, dessen Auszeichnungen bei den Brauereien so begehrt sind wie Michelin-­Sterne für Gastronomen. Die Gewinner in den 55 Kategorien – es gab jeweils nur eine Gold-­, Silber-­ und Bronzemedaille – wurden gestern im Rahmen der „BrauBeviale“ ausgezeichnet.

Die meisten „Sterne“ gingen auch in der zwölften Auflage des Wettbewerbs an Brauer in Deutschland und den USA. Die Medaillengewinner verteilen sich jedoch auf 23 Länder, darunter auch Taiwan, Malta oder Island. Dabei kommt die erfolgreichste Brauerei diesmal aus Bayern, genauer gesagt aus Pfaffenhofen: Müllerbräu darf sich gleich über drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille freuen. Das Brauhaus erhielt jeweils Gold für das Festbier (wie schon 2013), für das Kellerbier Hell und für das leichte Weizen (wie 2012) sowie Silber für das untergärige Leichtbier. Müllerbräu ist damit die erfolgreichste Brauerei beim „European Beer Star 2015“.

Mit gerade mal 271 eingereichten Bieren war der „European Beer Star“ der privaten Brauereien im Jahr 2004 an den Start gegangen. Nach und nach wurde der „Beer Star“ zu einer der begehrtesten Auszeichnungen der Brauwelt. Heuer nun wurde die Rekordzahl von 1957 Bieren (Vorjahr 1613) aus 45 Ländern zur Doemens-Akademie nach Gräfelfing verschickt, wo Anfang Oktober 115 Verkoster (Vorjahr 105), Braumeister, Bier-­Sommeliers und Fachjournalisten in einer zweitägigen Blindverkostung über die Vergabe von Gold, Silber und Bronze in den insgesamt 55 Kategorien entschieden haben. „Dass sich die Zahl der eingereichten Biere nochmals um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht hat, kam für uns auch überraschend“, freut sich Werner Gloßner, Hauptgeschäftsführer der privaten Brauereien. „Der überwältigende Zuspruch zeigt, welche Bedeutung der ,European Beer Star’ inzwischen weltweit hat.“

Rund 41 Prozent der eingereichten Biere stammen aus Deutschland, die übrigen von Brauereien aus Europa, Asien, Australien, Afrika sowie Nord-­ und Südamerika. Den weltweiten Siegeszug der US-­Craft-­Brewers spiegelt seit Jahren auch der „European Beer Star“ wieder: Für die Biere aus Braustätten zwischen Alaska und Louisiana gab es heuer 18 Goldmedaillen sowie elf Mal Silber und acht Mal Bronze – übertroffen nur von deutschen Bieren, die 20 Kategorien für sich entscheiden sowie 23 Silber-­ und 21 Bronzemedaillen erringen konnten. Über ihr bislang bestes Ergebnis können sich Brasilien und Kanada mit je drei Goldmedaillen freuen.

Viele neue Namen 

Ein Blick in die diesjährigen Siegerlisten zeigt viele neue Namen und lässt einige der Gewinner der Vorjahre vermissen. „Ein klares Indiz dafür, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, Medaillen zu erringen“, analysiert Roland Demleitner von den privaten Brauereien Deutschland. Er weiß: „Der ,European Beer Star’ zählt mit der Blindverkostung längst zu den härtesten Wettbewerben!“ Bei der Blindverkostung werden die Biere von den Experten, die nur den Bierstil, aber nicht die Marke kennen, allein nach den Gesichtspunkten bewertet, die auch der Konsument zur Beurteilung heranzieht – also Optik, Schaum, Geruch, Geschmack und sortentypische Ausprägung.

Die Kronenbrauerei Schimpf aus Neustetten (Baden-­Württemberg) war mit ihren Weißbieren schon mehrmals erfolgreich und kann sich heuer über zwei Goldmedaillen freuen – für Kristallweizen und dunklen Weizenbock. Mit Gold wurde der helle Weizenbock der Brauerei Ladenburger (Baden-­Württemberg) ausgezeichnet. Das beste dunkle Weißbier kommt überraschenderweise von der Brauerei Les Brasseurs aus dem kanadischen Montreal.

Die übrigen Weißbier-­Kategorien entschieden die Bayern für sich: Brauerei Aying Franz Inselkammer für „Hefeweizen Hell“, Weißes Brauhaus Schneider (Kelheim) für „Hefeweizen bernsteinfarben“ sowie die Brauerei Unertl aus Mühldorf für ihre Dinkel-Weiße in der Kategorie „obergäriges Bier mit alternativen Getreidesorten“. Um den weltweiten Trend zur Biervielfalt abbilden zu können, gibt es beim „European Beer Star“ inzwischen 55 Kategorien: vom weit verbreiteten Pils über Ales und Tripels bis zum fassgereiften Sauerbier, sofern es der Tradition europäischer Brauart entspricht.

Die in Deutschland sehr populären Bierstile wurden überwiegend auch von deutschen Brauereien gewonnen. So ging beispielsweise Gold an die Schlossbrauerei Stein Wiskott (Stein an der Traun) für „Helles Lager“, an die Schlossbrauerei Unterbaar (Baar) für „Dunkel“, an die Brauerei Wagner im mittelfränkischen Merkendorf für „Heller Bock“, an die Brauerei Rittmayer (Hallerndorf) für „Rauch-­Starkbier“, an den Schönbuch-Bräu (Böblingen) für „Heller Doppelbock“ oder an die Aktienbrauerei Kaufbeuren für „Export“.

Das beste "Düsseldorfer Alt" kommt aus Brasilien

Doch auch in Brauereien anderer Länder weiß man vortrefflich deutsche Bierstile zu brauen. Das beste „Düsseldorfer Alt“ und der beste „Dunkle Bock“ kommt von der brasilianischen Cervejaria Bamberg. Die Coedo-Brewery in Japan erhielt ebenso Gold für ihr „Deutsches Schwarzbier“ wie die Brauerei Le Trou du diable in Kanada für ihr „Kellerpils“. Kanadische Brauereien sind überhaupt eine der Überraschungen beim „European Beer Star 2015“, belegen sie doch in der Medaillenwertung den dritten Platz. Deutlich hinter ihren nordamerikanischen Kollegen allerdings, die gleich 18 Kategorien für sich entscheiden konnten sowie elf Silber-­ und acht Bronzemedaillen sammelten.

In der Königsdisziplin der US-­Craft-­Brewer, dem „Traditional India Pale Ale“, setzte sich die Brauerei Rouges Ales & Spirits aus Newport (USA) an die Spitze. Über Goldmedaillen in den beiden Ale-­Kategorien „English Style Ale“ und „Imperial India Pale Ale“ freuen sich die Verantwortlichen der Firestone Walker Brewery im kalifornischen Paso Robles, deren Biere seit vielen Jahren in den Gewinnerlisten des aufscheinen.

Auch Heineken, Carlsberg und Paulaner sind dabei

Die Goldmedaillen für die Boston Beer Company, die Baltika Breweries im russischen St. Petersburg (Gold für „European Lager Mild“), Heineken (Gold für „Leichtbier“), sowie die Medaillen für Carlsberg oder Paulaner (Bronze für Kristallweizen als einzige Münchner Auszeichnung) zeigen, dass auch Großbrauereien punkten konnten. Die unabhängige Blindverkostung sei eben ein zentrales Qualitätsmerkmal für den „European Beer Star“, betont Gerhard Ilgenfritz, Präsident der privaten Brauereien Bayern, „hinsichtlich der Zielsetzung unseres Wettbewerbes, nämlich die Förderung handwerklich erzeugter, besonders charaktervoller Biere, sind die kleinen und mittelgroßen Brauereien jedoch ganz überwiegend in der Pole-­Position“.

Wie die kleine, traditionelle Familienbrauerei Eittinger Fischerbräu nahe des Münchner Flughafens, die, bereits mehrfach beim „European Beer Star“ dekoriert, heuer Gold für ihr „gold-­ und bernsteinfarbenes Lager“ zugesprochen erhielt. Oder die Gasthausbrauerei Schlössle aus Neu-­Ulm die ihr „Dunkles Kellerbier“ vergoldet bekam und die Newcomer von der Ratsherren-Brauerei aus Hamburg, deren „Holzfassgereiftes Sauerbier“, die Jury am nachhaltigsten beeindruckte.

„Unglaubliche Bandbreite“

Zwölf Medaillen – so viele wie nie zuvor – konnte das „neue“ Bierland Italien beim erringen; quer durch alle Bierstile. Beispielhaft dafür steht die Birrificio del Ducato, die Gold für „Sour Beer“, Silber für „Kellerpils“ und Bronze für  „Rauchbier“ nach Parma holte. Ähnliches gilt für Österreich, wo die Brauereien heuer acht Medaillen sammeln konnten, zumeist in Kategorien abseits vom Mainstream zwischen Steiermark und Tirol. So wurde die kleine Brauerei aus Ried im Inntal mit Silber für ihr „Traditional India Pale Ale“ dekoriert und die Salzburger Stieglbrauerei erhielt Gold für ihr „Pausenbrot“ zugesprochen, ein Bier der Kategorie „Belgian Style Season“. Je einmal Gold ging in die Länder Belgien (OUD Beersel für „Fruit Sour Ale“), Malta (Lord Chambray für „Belgisches Witbier“) und Polen (Carlsberg für „Baltic Porter“).

Warum die Kategorien inzwischen auf so viele Bierstile angewachsen sind, begründet Werner Gloßner mit der zunehmenden Vielfalt, die in der internationalen Brau-­Szene zu beobachten sei. „Immer mehr Brauer probieren immer neue Stile aus. Darauf reagieren wir auch sehr gerne“, sagt er. „Denn das ist ja genau, was wir erreichen wollen: Dem Konsumenten die unglaubliche Bandbreite beim Bier zu präsentieren.“ 


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