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Nicht nur Schafe sind ausgezeichnete Landschaftspfleger, sondern auch ihre kletterfreudigen und robusten Kollegen.

(ty) Wenn Tiere in der Landschaftspflege eingesetzt werden, denken die meisten Menschen wohl eher an große Schafherden, die mit dem Hirten durch die Lande ziehen und magere Wacholderheiden abweiden. Doch nicht nur Schafe sind ausgezeichnete Landschaftspfleger, sondern auch ihre vierbeinigen, kletterfreudigen und robusten Kollegen. Die Rede ist hier von Ziegen, die mittlerweile immer häufiger auf Naturschutzflächen unterwegs sind. Und dafür gibt es viele Gründe, wie der Kelheimer Landschaftspflege-Verband VöF erklärt. Er prüft derzeit nach eigenen Angaben den Einsatz von Ziegen auf stark verbuschten, nicht mehr genutzten Flächen.

"Unsere Wiesen und Weiden zählen zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa", heißt es vom VöF. So könnten auf einem Quadratmeter Wiese oder Weide mehr als 60 verschiedene Pflanzenarten vorkommen. Und auch für Tiere, vom Reh bis zum kleinen Insekt, böten Wiesen und Weiden durch die vielfältigen Strukturen und unterschiedlichen Blühaspekte Lebensraum und Nahrung. Somit trage der Erhalt von artenreichem Grünland auch zum Erhalt der Tier- und Pflanzenvielfalt bei. Viele ehemals genutzte, meist ertragsschwächere Wiesen und Weiden werden mittlerweile nicht mehr bewirtschaftet.

Dadurch sind laut VöF allerdings auf vielen dieser Flächen Gebüsche und Gehölz auf dem Vormarsch, die die ursprünglich vorkommenden Arten verschatten und dadurch verdrängen. Um diese Flächen wieder als Wiesen und Weiden nutzen zu können und so die ursprüngliche Artenvielfalt zurückzuholen, müssten zuerst die aufgewachsenen Sträucher und Gehölze entfernt werden. "Das kann mühsam und langwierig per Hand und mit der Motorsäge erfolgen", so der VöF – "oder aber man lässt Spezialisten ans Werk". Ziegen seien Entbuschungsspezialisten und Kletterkünstler

Für die Entfernung von Gebüsch und Gehölz seien Ziegen, anders als Schafe und Rinder, prädestiniert. Denn Ziegen deckten bis zu 60 Prozent ihres Futterbedarfs mit Blättern, Rinden und Gehölztrieben – was bedeute, dass Sträucher und Gehölz auf deren Speiseplan ganz oben stehen. "Neben dem passenden Appetit machen Ziegen auch vor stachligen Gewächsen nicht Halt und stellen sich zur Not auch mal auf die Hinterbeine, um auch die obersten Blätter zu erhaschen", weiß Franziska Jäger vom VöF. "Durch das Abfressen der Sträucher drängen die Ziegen den Gehölz-Aufwuchs zuerst zurück und nach mehreren Beweidungs-Durchgängen sterben diese dann vollständig ab."

Damit stechen Ziegen mutmaßlich jede Art der motormanuellen Pflege aus: Denn auch wenn Gebüsche mit der Motorsäge auf Stock gesetzt werden, treiben sie im nächsten Jahr wieder aus und der Vorgang müsste wiederholt werden. Noch interessanter werde der Einsatz von Ziegen auf Flächen, die steil und damit nur schwer zugänglich seien – denn Ziegen seien wahre Kletterkünstler, die auch auf kleinsten Tritten Halt finden und von Höhenangst noch nie etwas gehört haben. "Mit Ziegen können also auch Flächen freigehalten werden, die mit Motorsäge und Freischneider nicht mehr erreichbar sind", so Jäger.

Gerade steile, abbrüchige Flächen, die im besten Fall südexponiert sind, bieten nach Angaben des VöF im offenen Zustand ohne Gehölz-Bewuchs ein hohes naturschutz-fachliches Potenzial für selten vorkommende Pflanzen und Tiere. "Durch die Beweidung mit Ziegen werden wieder vielfältige neue Lebensräume geschaffen." Auch während der Beweidung erhöhten die Ziegen "bereits automatisch die strukturelle Vielfalt" auf den Flächen. "Denn nach mehreren Beweidungs-Gängen stehen dort nicht mehr nur Gebüsch und Gehölz, sondern es entstehen Wiesen, Totholz-Ansammlungen, offene Bodenstellen, Kotstellen und Fels- und Bodenabbrüche". Diese unterschiedlichen Strukturen böten unter anderem für Insekten wichtige Lebensräume. "Zum Beispiel Wildbienen benötigen nicht nur Blüten zur Nahrungsaufnahme, sondern auch Totholz oder offene Bodenstellen, in denen sie ihre Nisthöhlen anlegen können."

Wer sich solche Beweidungs-Projekte im Landkreis Kelheim anschauen möchte, kann dies über den Sommer an vielen Stellen tun. So sind mehrere Schäfer mit ihren Schafherden auf den Altmühlleiten unterwegs, im Forstmoos bei Aiglsbach weiden zottelige Highland-Rinder und auf der Jura-Hochebene wird die alte Hausrasse Rotes Höhenvieh neben dem Fleischerwerb zur Landschaftspflege eingesetzt. Aktuell prüft der Kelheimer Landschaftspflege-Verband VöF nach eigenem Bekunden im Rahmen eines Förderprojekts des bayerischen Naturschutzfonds in Zusammenarbeit mit den Landwirtschafts- und Naturschutz-Behörden den Einsatz von Ziegen auf stark verbuschten, nicht mehr genutzten Flächen.


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