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Die wilde Crash-Tour des 53-Jährigen begann in München und führte durch drei Regierungsbezirke. Gegen ihn wurde Unterbringungs-Befehl erlassen. 

(ty) Über rund 300 Kilometer hat am Samstag ein 53 Jahre alter Pkw-Raser die Polizei in Atem gehalten und für mehrere gefährliche Situationen und Unfälle sowie einen Großeinsatz mit Verfolgungsjagd gesorgt. Die wilde Tour, die in München begann, führte durch einige Landkreise beziehungsweise durch die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz. An dem Polizei-Einsatz waren neben einem Hubschrauber zeitweise rund 30 Streifenwagen beteiligt. Zwei Streifenwagen wurden demoliert. Der Raser wurde schließlich, nachdem er bei Hohenfels (Kreis Neumarkt) eine Sperre durchbrochen und einen Unfall gebaut hatte, nach einem Warnschuss festgenommen. Nachfolgend die Chronologie der Ereignisse auf Grundlage des heute von der Polizei veröffentlichten ausführlichen Berichts.

Bereich München – Berg am Laim, Brunnthal, A99

Kurz vor 6.30 Uhr bemerkten zwei Verkehrsteilnehmer in ihrem Renault-Kleintransporter auf dem Innsbrucker Ring in München einen VW-Tiguan mit Erbacher Kennzeichen. Der Fahrer hatte an seinem Wagen ständig die Warnblinker an und betätigte immer wieder die Hupe. Nachdem an einer roter Ampel die Fahrzeuge anhielten, erkundigen sich die beiden Insassen des Renault, ob es Probleme gebe. Der Fahrer des Tiguan stieg aus, legte einen Stein auf die Motorhaube und fuhr anschließend in Richtung der Autobahn A8.

Etwa eine Stunde später meldete sich ein BWM-Fahrer aus dem Raum Bad Tölz telefonisch bei der Polizei und erkläre, dass er kurz zuvor von dem Fahrer eines VW-Tiguan mit Erbacher Kennzeichen im Bereich Hohenbrunn durch dichtes Auffahren und mit Lichthupe zum Spurwechsel genötigt worden sei. Nach dem Überhol-Vorgang scherte der VW-Fahrer so knapp vor dem BMW ein, dass nur noch durch eine Vollbremsung ein Zusammenstoß verhindern werden konnte. Der VW-Fahrer setzte seine Fahrt in Richtung Norden fort.

Bereich Freising, A92

Gegen 7.40 Uhr erstattete der Fahrer eines BMW Anzeige bei der Polizei in Landshut gegen den Fahrer des VW-Tiguan. Der BMW-Lenker überholte mit etwa 180 km/h mehrere Lkw, als sich der VW-Fahrer von hinten mit Lichthupe auf zirka zehn Meter Abstand näherte. Nachdem der BMW-Fahrer seinen Überhol-Vorgang beendet hatte, wechselte er auf die rechte Spur, im Anschluss scherte der Fahrer des VW sehr knapp vor ihm ein und bremste auf etwa 140 km/h herunter. Um einen Zusammenstoß zu verhindern, musste der BMW-Lenker auf die linke Spur ausweichen. Anschließend fuhr der VW-Fahrer in der Mitte der beiden Spuren und warf Gegenstände, vermutlich kleine Würfel oder Nägel, auf die Fahrbahn. An dem BMW entstand ein Schaden von rund 1500 Euro.

Bereich Landshut, Eching, A92

Kurz vor 8 Uhr kam es dann auf der A92 auf Höhe von Moosburg-Nord – die Autobahn ist dort aufgrund einer Baustelle derzeit nur einspurig befahrbar – zu einem weiteren Zwischenfall mit dem besagten VW. Im Baustellen-Bereich fuhr der VW-Lenker ohne ersichtlichen Grund zunächst sehr dicht auf einen Mercedes aus dem Raum Ebersberg auf und im weiteren Verlauf stieß er in das Heck des Mercedes. Bei dem Unfall wurde glücklicherweise niemand verletzt; am Mercedes entstand ein Sachschaden von rund 5000 Euro.

Nach dem Zusammenstoß öffnete die Beifahrerin des Mercedes die Tür, diese wurde kurzerhand von dem VW-Fahrer weggefahren. Nachdem der VW noch eine Leitplanke touchiert hatte, setzte er seine Fahrt in Richtung Deggendorf fort. Unmittelbar nach dem Unfall auf der A92 leitete und koordinierte die Einsatz-Zentrale des Polizeipräsidiums von Niederbayern unter Beteiligung der benachbarten Einsatz-Zentralen umfangreiche Fahndungs-Maßnahmen. Eine entsprechende Warnmeldung an die Verkehrsteilnehmer wurde ebenfalls herausgegeben.

Bereich Regensburg, Burgweinting, A3, Hohenfels

Rund eine Stunde später meldete eine Verkehrsteilnehmerin ein Fahrzeug, dass mit einem Frontschaden auf der A3 in Richtung Regensburg fährt. Kurze Zeit später wurde das Auto nach dem bereits gefahndet wurde, auf Höhe der Anschlussstelle Burgweinting von einer Streife der Verkehrspolizei-Inspektion Regensburg in Richtung Norden fahrend festgestellt. Der Fahrer gestikulierte und beschleunigte anschließend auf bis zu 170 km/h. Hierbei wechselte er mehrfach unkontrolliert die beiden Spuren und überholte andere Fahrzeuge auch mehrmals auf dem Seitenstreifen. Dabei schnitt er immer wieder andere Pkw sowie Lkw und wollte den Streifenwagen durch ständige Bremsmanöver zu einem Unfall provozieren.

Auf Höhe der Anschlussstelle Universität und dem Autobahn-Kreuz Regensburg bremste der Tiguan-Fahrer auf der rechten Spur bis zum Stillstand ab und blieb kurze Zeit auf der Autobahn stehen, bis der nachfolgende Verkehr auflief, um sofort wieder bis auf über 200 km/h zu beschleunigen und mit eingeschalteten Warnblinkern seine Fahrt bis zur Anschlussstelle Laaber fortzusetzen. Bei dem dortigen Kreisel fuhr er mehrere Runden, um schließlich wieder auf die A3 in Richtung Nürnberg einzufahren.

An der Anschlussstelle Beratzhausen verließ er die Autobahn und setzte seine Fahrt auf der Staatsstraße 2041 in Richtung Kallmünz – trotz ständiger Anhalte-Versuche der Polizei – fort. In der Ortschaft Grünschlag kollidierte er, mutmaßlich vorsätzlich, mit einem Streifenfahrzeug der Nittendorfer Polizeiinspektion – glücklicherweise wurde dabei niemand verletzt.

Am Polizei-Fahrzeug entstand ein Schaden von mehreren tausend Euro. Eine Streife der Verkehrspolizei-Inspektion Regensburg verfolgte den VW-Fahrer weiter, die Flucht ging nun mit mehr als 100 km/h über ein Weizenfeld. In der Ortschaft Kleinmittersdorf verlor sich die Spur des Flüchtenden zunächst. Anwohner teilten der Polizei mit, dass der Fahrer in Richtung Dinau bei Kallmünz gefahren sei.

Hubschrauber und rund 30 Streifenwagen

Mittlerweile erhielten die Einsatzkräfte auch Unterstützung aus der Luft. Ein Polizei-Hubschrauber suchte das Gebiet im Bereich Dinau weiträumig ab und konnte das Auto schließlich in der Nähe des Ortteils Lauf im Gemeinde-Bereich von Hohenfels sichten. Der Fahrer flüchtete erneut und durchbrach auf der Staatsstraße 2234 im Bereich Hohenfels-Marktstetten zunächst eine Fahrzeug-Sperre. Dabei kollidierte er mit einem querstehenden Zivilfahrzeug aus Amberg und schleudert anschließend über die Böschung. Auch bei diesem Unfall wurde glücklicherweise niemand verletzt. Bei einem erneuten Fluchtversuch wurde der VW-Fahrer, ein 53-jähriger Grieche aus dem hessischen Landkreis Erbach, nach Androhung des Schusswaffen-Gebrauchs mittels eines Warnschusses, festgenommen.

Der 53-Jährige, der unverletzt blieb, wurde aufgrund seines psychischen Zustandes vorläufig in eine Fachklinik eingewiesen. Mittlerweile erging auf Antrag der Staatsanwaltschaft Landshut ein vorläufiger Unterbringungs-Befehl – unter anderem wegen des dringenden Tatverdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehrs. An dem Einsatz waren neben einem Polizei-Hubschrauber zeitweise rund 30 Streifenwagen beteiligt. An zwei Streifenwagen entstand ein Gesamtschaden von rund 35 000 Euro, am VW-Tiguan des 53-Jährigen dürfte ein Totalschaden zu Buche stehen.

Zeugen gesucht

Die zentrale Sachbearbeitung wurde mittlerweile von der Autobahnpolizei-Station Wörth an der Isar gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Landshut übernommen. Verkehrsteilnehmer, die am Samstag, 19. Juni, im Bereich der A99, A9, A92, A3 beziehungsweise im Bereich der Staatsstraße 2041 (Beratzhausen-Grünschlag) oder der Staatsstraße 2234 im Bereich Hohenfels-Marktstetten unterwegs waren und Angaben zur Fahrweise eines VW-Tiguan machen können oder selbst durch die Fahrweise gefährdet worden sind, werden darum gebeten, mit der Autobahnpolizei-Station Wörth/Isar unter der Rufnummer (0 87 02) 94 82 99 -0 in Verbindung setzen.


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