Logo
Anzeige
Anzeige

Daten vom Deutschen Wetterdienst und Foto-Impressionen aus dem Kreis Kelheim von Johann Brunner.

(ty) Der in Deutschland keine hochsommerlichen Gefühle weckende Juli hat die Starkregen-Episoden der zweiten Juni-Hälfte fortgeführt. Er brachte zunächst regional heftige, teils auch gewittrige Niederschläge samt Überflutungen. Mit Tief "Bernd" aber änderte sich in der zweiten Monats-Dekade die Wetterlage und damit einhergehend auch die Intensität sowie Großflächigkeit der Regenfälle. Am 13. Juli setzen in Nordrhein-Westfalen Regenfälle ein, die sich am 14. Juli zwischen Kölner Bucht und Eifel ausweiteten und ein historisches Ausmaß annahmen. Es folgten in der Eifel verheerende Fluten, die zu einer der für Deutschland folgenreichsten Naturkatastrophen seit der Sturmflut im Jahre 1962 führten. Auch bis Monatsende überwogen instabile und zu Unwetter tendierende Wetterlagen. Die Bilanz: Der Juli war heuer deutlich zu nass, etwas zu warm und sonnenscheinarm. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Mess-Stationen.

Der Temperatur-Durchschnitt lag heuer laut DWD im Juli mit 18,3 Grad Celsius um 1,4 Grad über dem Wert der international gültigen Referenz-Periode 1961 bis 1990 und traf zugleich genau das Mittel der aktuellen und wärmeren Periode 1991 bis 2020. Damit war der Monat sogar kühler und wenig sommerlicher als der Juni. Sommer-Feeling kam insbesondere in den östlichen Bundesländern auf.

Dort zählte man die meisten Sommer-, vor allem aber auch Hitzetage. Brandenburg schaffte im Flächenmittel zwei bis drei Tage mit Höchstwerten von über 30 Grad. Sechs heiße Tage gab es in Berlin-Tempelhof. Der Tageshöchstwert aber kommt aus Bayern und wurde am 6. Juli mit 32,8 Grad in Rosenheim registriert. Die westlichen Landesteile blieben dagegen von Hitze verschont. Am tiefsten sackte das Quecksilber am 21. Juli in Deutschneudorf-Brüderwiese, Erzgebirge, als gerade einmal 4,3 Grad gemessen wurden.

 

Im Juli fielen bundesweit im Mittel rund 110 Litern pro Quadratmeter (l/m²) und damit knapp 40 Prozent mehr Niederschlag als im Durchschnitt der Referenz-Periode 1961 bis 1990 (78 l/m²). Verglichen mit der Periode 1991 bis 2020 lag das Plus bei fast 25 Prozent. In der zweiten Monats-Dekade etablierte sich Tief "Bernd" über Mitteleuropa und brachte vielerorts Starkregen, der nicht mehr lokal, sondern in Teilen großflächig niederprasselte. Am 14. Juli nahm der Regen zwischen Kölner Bucht und Eifel eine derartig starke Intensität an, dass dieser als "Jahrhundert-Regen" in die meteorologischen Geschichtsbücher eingegangen ist.

Über 100 l/m² fielen während des Unwetters innerhalb von 24 Stunden. Den höchsten Tagesniederschlag einer DWD-Station übermittelte Wipperfurth-Gardeweg mit 162,4 l/m². Kaum hatten sich die Regenwolken in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verzogen, öffnete "Bernd" am 17. seine Schleusen im Chiemgau und Berchtesgadener Land – auch mit 24-stündigen Mengen von teils mehr als 100 l/m². Dort fiel mit über 350 l/m² auch der meiste Monats-Niederschlag. Am trockensten blieb es mit unter 20 l/m² in der Magdeburger Börde.

 

Mit 200 Sonnenstunden verfehlte die Sonnenschein-Dauer nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ihr Juli-Soll von 211 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund fünf Prozent. "Im Vergleich zur Periode 1991 bis 2020 betrug die negative Abweichung sogar zehn Prozent", heißt es von den DWD-Experten nach bisherigen Auswertungen. Besonders die westlichen Landesteile zeigten den Angaben zufolge in der Sonnenscheinbilanz ein großes Defizit. Nur 170 Stunden wurden dort verbreitet gezählt. Der Nordosten kam dagegen auf durchschnittlich 230 Stunden.

Der Freistaat Bayern kam auf durchschnittlich 17,8 Grad und als zweitniederschlagsreichste Region gut 140 l/m². Am 6. Juli übermittelte Rosenheim mit 32,8 Grad die bundesweit höchste Temperatur. Immer wieder wurde der Freistaat von Starkregenfällen heimgesucht, die mit Überflutungen und Hochwasser endeten. Während am 8. Juli insbesondere die Regionen von Mittelfranken bis Schwaben betroffen waren, wurden am 17. und 18. Juli der Chiemgau und das Berchtesgadener Land erfasst. Am 28. Juli sorgten schwere Gewitter mit Orkan-Böen im südlichen Oberbayern für abgedeckte Dächer und überflutete Straßen. Zum Monats-Ausklang kam es an den Alpen zu weiteren Starkniederschlägen. Insgesamt fielen dort im Juli über 350 l/m². Die Sonne schien in der Fläche etwa 205 Stunden.


Anzeige
RSS feed