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Während sich in Pfaffenhofen die Lage entspannt, spitzt sich die Situation in Manching, Reichertshofen und Baar-Ebenhausen dramatisch zu

Von Tobias Zell

Nach einer dramatischen Hochwasser-Nacht hat sich die Situation in der Kreisstadt Pfaffenhofen weiter entspannt und die Menschen suchen den Weg zurück zur Normalität. Derweil spitzt sich die Lage im nördlichen Landkreis –­ vor allem in Reichertshofen, Baar-Ebenhausen und offenbar besonders in Manching – weiter zu, wie es aus dem Landratsamt heißt.

„Nach wie vor steigende Pegel verzeichnen wir an der Paar“, teilte ein Landratsamt-Sprecher vor gut einer Stunde mit. „Hier scheint der Scheitelpunkt noch nicht erreicht zu sein.“ Damit verschärft sich die Situation insbesondere in Reichertshofen, Baar-Ebenhausen und Manching extrem. In Baar-Ebenhausen sind den Angaben zufolge 80 Kräfte der Feuerwehr Eichstätt, 51 Mann der Bundeswehr und mehr als 120 eigene Helfer dabei, die Dämme zu verstärken. In Manching und Reichertshofen wird ebenfalls auf Hochtouren weitergearbeitet. Adolf Kothmeier, der zweite Bürgermeister von Reichertshofen, spricht bereits jetzt von Wasser aus Richtung Schrobenhausen, das „in vorher nicht gekannter Höhe“ auf den Markt zukomme. Und aus Manching hallt ein regelrechter Hilferuf in die Region – man brauche unbedingt weitere freiwillige Helfer.

Das Technische Hilfswerk ist aktuell mit 110 000 Litern Pumpenleistung pro Minute im Landkreis Pfaffenhofen aktiv. Sogar Kräfte des THW aus Coburg sind zur Unterstützung angereist, teilt das Landratsamt soeben mit.

In der Kreisstadt selbst hat sich die Lage indes nach einer dramatischen Nacht im Laufe des Tages merklich entspannt. Dennoch gibt es viel zu tun. Aufräumarbeiten haben begonnen, Keller und vollgelaufene Hallen müssen ausgepumpt werden. Und angesichts der bedrohlichen Lage im nördlichen Landkreis werden auch viele Helfer abkommandiert.

Entspannung in Pfaffenhofen. Der Pegel ist seit der dramatischen Nacht deutlich gesunken.

„Alle nach Manching kommen, hier säuft bald alles ab!!!“, schrieb soeben Hansjürgen Fuchs in der eilends eingerichteten Facebook-Gruppe „Nachbarschaftshilfe Hochwasser im Landkreis Pfaffenhofen“, die unter https://www.facebook.com/groups/hochwasserhilfe.paf/ erreichbar ist. „Wir bringen Helfer und Betroffene zusammen. Dieses Forum ist die kommenden Tage rund um die Uhr besetzt“, heißt es. Wer Hilfe braucht oder helfen will, kann sich via Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wenden. Außerdem wird derzeit ein Internet-Portal unter www.hochwasserhilfe-paf.de eingerichtet, das gegen 16 Uhr online gehen soll, wie es heißt.

In dieser Facebook-Gruppe gibt es bereits einen Aufruf, in dem die Feuerwehr Manching händeringend Helfer im Kampf gegen das Hochwasser sucht. Es werden Freiwillige gebraucht, die beim Füllen von Sandsäcken helfen. Wer anpacken will, könne sich unter Telefon (0 84 59) 72 00 melden. Dort werde die Hilfe koordiniert.

Die Schulen in Reichertshofen und Baar-Ebenhausen bleiben morgen geschlossen, wie soeben mitgeteilt wurde. „Schülerinnen und Schüler aus diesen Orten, die weiterführende Schulen besuchen, sind morgen ebenfalls von der Schulpflicht befreit.“ Für die Pfaffenhofener Kinder war, wie berichtet, heute der Unterricht ausgefallen.

 

In Pfafffenhofen stehen immer noch einige Gebäude unter Wasser, hier in der Raiffeisenstraße.

In Pfaffenhofen ist der Pegel inzwischen deutlich gesunken; auf 1,66 Meter um 15 Uhr. Der Scheitelpunkt  war heute früh zwischen vier und fünf Uhr bei 2,70 Metern erreicht. Um 22.20 Uhr hatte Landrat Martin Wolf (CSU) Katastrophenalarm angesichts der Entwicklungen und Prognosen im Landkreis gegeben und es damit seinem Kelheimer Amtskollegen Hubert Faltermeier (FW) gleichgetan. Im niederbayerischen Nachbarlandkreis hält die Helfer vor allem die Entwicklung in Neustadt, Bad Gögging und Mauern in Atem, wo wegen drohender Überflutung sogar Rundfunkdurchsagen veranlasst wurden.

Zahlreiche Straßen waren auch im Raum Pfaffenhofen gesperrt, Keller liefen voll. Bürger holten Sandsäcke beim Bauhof, um ihre Eingänge abzudichten. Die Helfer hatten die ganze Nacht alle Hände voll zu tun, um das Schlimmste abzuwenden. Auch 75 Männer des THW aus Hilpoltstein, Eichstätt, Ingolstadt, Neuburg und Pfaffenhofen selbst waren im Einsatz. Bürgermeister Thomas Herker (SPD) geht davon aus, dass rund 10 000 Sandsäcke gefüllt wurden.

 

In diesem Raum des Intakt-Musikinstituts finden normalerweise Konzerte statt.

Doch das Wasser brach sich in der Nacht auf heute trotz aller Mühen seine Bahn. An der Raiffeisenstraße gab ein Flutkanal an zwei Stellen nach und setzte mehrere Hallen und Räume unter Wasser. Unter anderem das Intakt-Musikinstitut von Michael Herrmann. Er und seine Frau waren vorgewarnt. 40 Helfer waren ab 22 Uhr zur Stelle, um den Saal, in dem normalerweise Konzerte mit Barbetrieb stattfinden, zu räumen. In einer Nacht- und Nebel-Aktion halfen alle zusammen, um vor allem die teuren Musikinstrumente und die Soundanlage in Sicherheit zu bringen.

„Gegen 2.45 Uhr ist dann der Flutkanal direkt auf Höhe unseres Gebäudes gebrochen“, berichtet Herrmann im Gespräch mit unserer Zeitung und zeigt auf den Hochwasserstand der Nacht, der sich noch durch eine schmutzige Linie an der Fensterscheibe abzeichnet. „Keine 20 Minuten hat es gedauert, bis alles vollgelaufen war.“ Draußen, im Hinterhof, wird die schmutzige Brühe wohl noch Tage stehen. Es hat sich hier in einer Mulde gesammelt.

Die Aufräumarbeiten in Pfaffenhofen werden noch Tage, vielleicht Wochen dauern.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises hat bereits mitgeteilt, dass „Hochwassermüll“ an den Wertstoffhöfen in den Gemeinden des Landkreises Pfaffenhofen zu den üblichen Öffnungszeiten angenommen wird. Die Regelungen zur Abfalltrennung sollten dabei, soweit wie möglich, eingehalten werden.

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