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Die Kosten für die Behebung der Schäden werden grob auf mehrere hunderttausend Euro geschätzt. Nun gilt es, den Schiff-Stau abzuarbeiten.

(ty) Nach der Havarie, die sich am 5. Juni auf dem Main-Donau-Kanal an der Schleuse bei Riedenburg ereignet hatte, waren die Auswirkungen massiv. Ein Kabinen-Schiff hatte eine Spundwand gerammt, ein Schleusentor konnte nicht mehr geschlossen werden. Die Schiffsfahrt war damit praktisch zum Erliegen gekommen: 115 Schiffe konnten ihre Fahrten nicht wie geplant fortsetzen, darunter Termin-Frachten und Flusskreuzfahrten. Umfangreiche Reparatur-Maßnahmen liefen mit Hochdruck an. Heute teilte das "Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Donau MDK" (WSA) mit, dass die Schleuse nach erfolgreicher Beseitigung der Schäden wieder in Betrieb geht.

Es war ein folgenreicher Schiffs-Crash. Wie berichtet, wollte laut Polizei an jenem Abend ein niederländischer Kapitän mit seinem unter schweizerischer Flagge fahrenden Fahrgast-Kabinenschiff vom Unterwasser aus in die Kanal-Schleuse beim Riedenburger Ortsteil Haidhof einfahren. Hierbei habe das Schiff mit der Backbord-Seite die Spundwand auf Höhe des Schleusentors touchiert. "Dadurch wurde ein Spundwand-Holm stark beschädigt und das Schleusentor konnte nicht mehr geschlossen werden", erklärte ein Sprecher der Beilngrieser Wasserschutzpolizei. "Aufgrund der defekten Schleuse musste die Schifffahrt in diesem Bereich bis auf weiteres eingestellt werden."

Nach der Kollision ließ sich das Schleusentor nicht mehr schließen. Das Foto entstand kurz nach dem Unfall.

Während das Schiff, wie berichtet, kaum Schäden davongetragen hatte und die Besatzung sowie auch die Passagiere mit dem Schrecken davongekommen waren, war das Ausmaß der Sachschäden am Schleusentor ungleich höher: Das Tor ließ sich nicht mehr schließen. Die Fachleute vom WSA hatten umgehend das Malheur bewertet: "Der sechs Meter lange, vertikale Kantenschutz-Holm, auf dem sich die seitliche Tordichtung abstützt, muss erneuert werden", stellte Kai Bramhoff, der Projekt-Leiter für die Instandsetzung, fest. 

Das Wasser musste aus der Schleusenkammer, ein Gerüst wurde aufgestellt. 

Zu den Reparatur-Maßnahmen erläuterte das WSA: Zunächst wurde ein Revisions-Verschluss vor das Tor gesetzt und die 190 Meter lange, zwölf Meter breite sowie 13,40 Meter tiefe Schleusen-Kammer leergepumpt, damit ein Arbeiten im Trockenen möglich war. Das 45 Tonnen schwere Schleusentor wurde mit Hilfe eines kurzfristig angemieteten Autokrans ausgebaut. Von einem Arbeitsgerüst aus konnte dann über die Pfingst-Feiertage hinweg der demolierte Kantenschutz-Holm stückweise abgebrannt und abgebrochen werden.

Das neue Bauteil aus Stahl sei in der vergangenen Woche geplant und passgenau hergestellt, der Beton vorbereitet worden. Als letzter Schritt sei nun am Montag der Zwischenraum hinter dem Kantenschutz-Holm mit schnell aushärtendem Spezialbeton vergossen worden. "Das exakte Ausrichten des Tores war noch etwas Feinarbeit, schließlich sollen die Tore wieder sauber fahren und schließen", erklärt Bramhoff. Die Kosten für die Reparatur-Arbeiten lassen sich laut WSA derzeit nur grob abschätzen – auf mehrere hunderttausend Euro. 

Leere Schleusenkammer, laufende Arbeiten.

"Für die Schifffahrt, die sich aufgrund der unplanmäßigen Sperre bereits von Regensburg bis Hilpoltstein staut, bedeutet diese Unterbrechung große Verluste", hatte das WSA bereits in der vergangenen Woche erklärt. Laut aktueller Mitteilung konnten insgesamt 115 Schiffe ihre Fahrten nicht wie geplant fortsetzen: darunter auch termingebundene Frachtschiffe, zum Beispiel Zulieferer für die Automobil-Industrie, die kurzfristig umdisponieren mussten.

Für die Schifffahrt sei eine Schleusen-Sperrung deshalb so gravierend, weil es keine Umleitung gebe, verdeutlicht Stefanie von Einem, die zuständige Leiterin der Abteilung Schifffahrt. "Die Schiffe müssen ihre Transporte auf Lkw oder Bahn umladen oder sie müssen Vertragsstrafen in Kauf nehmen", erklärt sie. Auch Flusskreuzfahrt-Schiffe seien von dieser Sperre erheblich betroffen gewesen – denn die Saison habe gerade begonnen.

Bilder vom WSA vom Endspurt der Arbeiten.

Das "WSA Donau MDK" hat sich nach eigenem Bekunden bereits darauf vorbereitet, den entstandenen Schiffs-Stau abzuarbeiten. "Unsere Leitzentralen für die Schleusen-Steuerung arbeiten ab jetzt Tag und Nacht in doppelter Besetzung, damit wir den Stau schnellstmöglich auflösen können", versichert Stefanie von Einem. Wie es heißt, werden Startnummern an die Schiffe in der Reihenfolge ihrer Ankunft vergeben. Der Stau verteile sich inzwischen über eine Länge von zirka 200 Kilometern entlang der einzelnen Liegestellen und Häfen.

Das Ziel, die Schleuse bereits zwei Wochen nach dem Crash wieder für den Schiffsverkehr freigeben zu können, konnte gehalten werden. "Mein besonderer Dank gilt hierbei der guten Planung eines erfahrenen Teams aus Beschäftigten des WSA Donau MDK und der reibungslosen Zusammenarbeit mit acht verschiedenen Unternehmen auch über die Feiertage hinweg", sagt Marko Ruszczynski, der zuständige Fachbereichs-Leiter. Die Ermittlungen zur Ursache des folgenreichen Schiffs-Unfalls sind bei der Wasserschutzpolizei noch nicht abgeschlossen. 

Nun muss der Schiff-Stau abgearbeitet werden.

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