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Wenn der Daller Sebastian mit seinen Gstanzln loslegt, bebt die Bühne. Mit urgewaltiger Stimme verschafft er sich Gehör  und posaunt in Versform das hinaus, was so mancher selbst hinter vorgehaltener Hand nicht zu sagen wagt.  Im Geisenfelder Rathaussaal heute Abend so passiert.

Audio-Podcast: Vom hochbegabten Kevin – eine Kostprobe

Audio-Podcast: "Gstanzl san immer up to date" – Interview

Von Alfred Raths 

"Wenn der Bierfahrer ins Schlammbad geht" – dieser Programmtitel lässt Raum für viele Interpretationen. Sebastian Daller und seine "Bänd" erfüllt sie alle, und zwar mit niederbayerischem Musik-Kabarett, das insbesondere von Dallers Gstanzln und Anekdoten lebt und durchwirkt ist im Stil der schon fast ausgestorbenen Wirtshausmusik.

Daller, der sich zum Gesang mit dem Akkordeon begleitet, breitet einen volksmusikalischen Teppich aus, der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt und sich bis in die Jetztzeit fortsetzt. Ihm nicht nach steht als Instrumentalistin Sophie Meier-Rastl, aus Österreich stammend und daher "mit Migrationshintergrund", an ihrer mehr als zu ihr passenden Geige, zu der sich die Tuba von Sebastian Meier gesellt, ein Bio-Bauer mit Herbstfreizeit, "weil er jetzt ja nicht mehr in der Nacht zum Spritzen seiner Felder hinausfahren muss".  

Heraus kommt bei den Dreien ein reminiszent-bierdunstschwangerer Spottgesang, der jedoch an Aktualität nichts eingebüßt hat und eher noch hochmodern den Zeitgeist derbst auf die Schippe nimmt. Hinterkünftig und voll von ironischen Querverbindungen; dabei rotzfrech und zielsicher. Daller krächzt im Drei-Viertel-Takt den alltäglichen Irrsinn gerade so bissig hinaus, wie es ihm gefällt – und seinem Publikum.

"Es sinkt das Niveau auf seiner Reise nach unten", warnt deshalb auch vorsorglich Daller gleich zu Anfang der Vorstellung. Die besungenen Begebenheiten seien natürlich ausnahmslos wahr, denn "das Leben selbst ist viel zu böse, als dass man auf der Bühne lügen müsste", behauptet der aus Teugn im Landkreis Kelheim kommende Künstler voller Überzeugung. Lieder und Geschichten werden dabei stets garniert mit Tanzmusikstücken aus Bayern und seinen Nachbarländern.

"Ich spiele grundsätzlich überall, wo ich glaube, dass ich hinpasse. Falls sie mir glaubhaft vermitteln können, dass ihre Scheidung oder eine Beerdigung genau die richtige Veranstaltung für mich ist, bin ich dabei", lässt Daller über sich selbst wissen. Erst im vergangenen Jahr ist der Lehrer für Deutsch und Latein – am Anfang seiner zwei Probejahre als Beamter –  bedacht worden mit dem Thüringer Kleinkunstpreis.

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