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Heftige Explosion am Samstag-Morgen: Zehn Verletzte, Millionen-Schaden, alle verfügbaren Kräfte im Einsatz. Zusammenfassung, Bilder und Videos.

(ty) Aus bislang unbekannter Ursache ist es am Samstag in den frühen Morgenstunden auf dem Gelände der Bayernoil-Raffinerie in der Gemeinde Vohburg (Kreis Pfaffenhofen) zu einer Explosion und einem Großbrand gekommen. Nach bisherigem Kenntnisstand wurden zehn Menschen verletzt. Das Ausmaß des Schadens ist noch unklar, dürfte aber in die Millionen gehen. Das Pfaffenhofener Landratsamt rief den Katastrophenfall aus. Irsching und Knodorf sowie Teile Vohburgs wurden evakuiert; rund 2000 Personen waren davon betroffen. Insgesamt waren in der Spitze rund 600 Einsatzkräfte vor Ort. Wir fassen zusammen, was bislang offiziell bekannt ist.

Wie das in Ingolstadt ansässige Polizeipräsidium Oberbayern-Nord erklärte, sei es am heutigen Morgen gegen 5.15 Uhr auf dem Raffinerie-Gelände im Gemeinde-Bereich von Vohburg zu einer Detonation im Bereich einer Destillier-Kolonne gekommen. „Die in Folge dieser Explosion entstandene Druckwelle beschädigte massiv die Anlage und umliegende Gebäude“, so ein Polizei-Sprecher. Die Explosion war weithin zu hören und zu spüren, wie aus verschiedenen Gemeinden in der Umgebung berichtet wurde. 

Durch den entstandenen Großbrand bildete sich nach Angaben der Polizei eine Rauch- und Rußwolke, die zunächst in Richtung der benachbarten Ortschaften Vohburg und Irsching-Knodorf gezogen war. Über die Einsatz-Zentrale der Polizei und die Rettungsleitstelle wurde Großalarm ausgelöst. Ein Sprecher des Pfaffenhofen Landratsamts berichtete, dass alle verfügbaren Einsatzkräfte aus dem Landkreis mobilisiert worden seien. Gegen 7.45 Uhr wurde der Katastrophenfall für den Kreis Pfaffenhofen ausgerufen.

Dieses Youtube-Video zeigt angeblich die Explosion. 

„Ein Großaufgebot von Feuerwehr-Kräften war mit der unmittelbaren Brandbekämpfung befasst, während starke Polizeikräfte den Schadensort weiträumig absperrten“, fasste das Polizeipräsidium zusammen. Aufgrund der „zunächst anzunehmenden Explosions-Gefahr“ und wegen „starker Rauchschwaden“ sei die Bevölkerung über eine amtliche Gefahren-Meldung informiert worden. Die Menschen im weiteren Umkreis wurden dazu aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie auf Lautsprecher- und Rundfunk-Durchsagen zu achten. Klima- und Lüftungs-Anlagen sollten ausgeschaltet werden.  

Die Einsatzleitung beschloss zudem eine Evakuierung der Bewohner aus Irsching und Knodorf sowie aus dem westlichen Teil von Vohburg. Nach Angaben von Landratsamt und Polizei waren von den Evakuierungs-Maßnahmen zwischen 1800 und 2000 Menschen betroffen. Rund 200 Personen fanden sich in der dafür von der Stadt Vohburg zur Verfügung gestellten Turnhalle ein; sie wurden von BRK und Polizei betreut, hieß es aus dem Polizeipräsidium. Und: „Ein Dankeschön der Einsatzkräfte gebührt auch den Bürgern, die Verständnis für die notwendigen Evakuierungs- und Absperr-Maßnahmen zeigten.

Einem Großaufgebot von Feuerwehrleuten, in der Spitze bis zu 350 Floriansjünger aus der gesamten Region, sei es gelungen, den Großbrand nach und nach unter Kontrolle zu bringen. „Somit war die Gefahr, dass sich das Feuer möglicherweise auf die Tankbehälter in dem Gelände ausbreiten könne, nach geraumer Zeit gebannt“, fasst die Polizei zusammen. Gegen 17.30 Uhr meldete das Polizeipräsidium: „Die Löscharbeiten dauern weiterhin an. Ziel der Feuerwehr ist ein kontrolliertes Abbrennen noch vorhandener Reststoffe.“ 

Durch die Detonation und deren Folgen seien nach dem bisherigen Stand insgesamt zehn Personen verletzt worden. Vier von ihnen seien zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht worden. Die restlichen Opfer erlitten nach Angaben der Polizei lediglich leichtere Verletzungen und konnten von den Rettungskräften ambulant vor Ort versorgt werden.

Dieses Youtube-Video zeigt angeblich die Flammen nach der Explosion. 

Im Lauf des Vormittags konnte die Einsatzleitung bezüglich einer anhaltenden Explosions-Gefahr Entwarnung geben. Auf eine bereits vorbereitete, weiterreichende Evakuierung konnte damit verzichtet werden. Die Evakuierungs-Maßnahmen wurden nach Mitteilung des Landratsamts um 12 Uhr aufgehoben, die betroffenen Bürger konnten daraufhin wieder in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren. Auch die Warnmeldung für die Bevölkerung, Türen und Fenster geschlossen zu halten sowie nicht ins Freie zu gehen, wurde gegen 12 Uhr aufgehoben. Die Polizei war in den Gebieten, die evakuiert worden waren, präsent, um die Sicherheit der Wohnungen zu gewährleisten. 

An der Bewältigung des Großeinsatzes waren – unter Führung des örtlichen Einsatzleiters des Landratsamts  – insgesamt rund 600 Einsatzkräfte beteiligt: darunter 350 Feuerwehrleute, insgesamt rund 100 Rettungskräfte, zirka 100 Polizeibeamte und auch Bundeswehr-Angehörige. Das Technische Hilfswerk aus Pfaffenhofen (THW) war nach eigenen Angaben mit zirka 60 Leuten vor Ort, „um Löschwasser abzupumpen, angeschlagene Gebäude zu sichern, Luftaufnahmen anzufertigen und die Schadensstelle großflächig auszuleuchten“. Zur Lage-Erkundung waren auch Hubschrauber und eine Drohne im Einsatz.

Am späten Nachmittag teilte die Kreisbehörde mit, dass die Anzahl der Einsatzkräfte inzwischen deutlich – auf rund 200 – reduziert werden konnte. Um 16.15 Uhr wurde laut Landratsamt der Katastrophenfall für den Kreis Pfaffenhofen wieder aufgehoben. Die Löscharbeiten dauern weiter an. Die großräumig erfolgten Straßensperren – betroffen war auch die B16 a, konnten am frühen Nachmittag wieder aufgehoben werden. Weiterhin gesperrt bleibt  nach Angaben der Polizei die Zufahrt zu dem Raffinerie-Gelände. 

Wie es zu der Katastrophe kommen konnte, das ist momentan noch nicht bekannt. „Was die Ursache der Explosion und des Großbrandes betrifft, lässt sich derzeit keine Aussage treffen“, teilte das Polizeipräsidium gegen 17.30 Uhr in einer offiziellen Presseerklärung mit. Die mit den Brandermittlungen befasste Kriminalpolizei aus Ingolstadt werde unmittelbar nach Abschluss der Löscharbeiten eine Brandort-Begehung durchführen. In diesem Zusammenhang werde auch über eine mögliche Unterstützung durch Experten des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) entschieden. „Das Ausmaß des entstandenen Schadens ist noch unklar“, sagte ein Polizei-Sprecher und ergänzt: „Von einem Millionen-Schaden ist auszugehen.“

Das Landratsamt teilte gegen 17.30 Uhr mit, „dass bei weiteren Messungen des Landesamts für Umwelt  an verschiedenen Expositionsorten keine gesundheits-gefährdenden Schadstoffe gefunden wurden“.  Die Bayernoil-Raffinerie-Gesellschaft teilte mit: „Das in den frühen Morgenstunden nach einer Explosion in der Raffinerie Vohburg ausgebrochene Feuer wurde von den Einsatzkräften erfolgreich bekämpft. Den verletzten Mitarbeitern geht es den Umständen entsprechend gut. Die Raffinerie-Anlagen sind außer Betrieb und gesichert.“ Die ersten Sachverständigen seien vor Ort zur Begutachtung der Schäden. „Aussagen zur Ursache des Vorfalls und zum Ausmaß des Schadens werden erst nach Abschluss dieser Untersuchungen möglich sein.“

 

Laut Landratsamt können betroffene Bürger die Schäden, die aufgrund der Explosion an ihren Häusern und Wohnungen entstanden sind, ab kommenden Montag an ihre jeweilige Heimat-Gemeinde mit Foto-Dokumentation melden. Die Kommunen würden die Anliegen dann an Bayernoil weiterleiten. Die Raffinerie-Gesellschaft bittet auf ihrer Internet-Seite darum, entstandene Schäden mit Foto zu dokumentieren sowie mit der Rechnung der Schadensbehebung an folgende Adresse zu schicken: Raffinerie-Gesellschaft mbH, Postfach 12 52, 93328 Neustadt. „Für alle anderen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Gemeinde“, heißt es von Bayernoil.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und der bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU) machten sich vor Ort ein Bild von der Lage. "Das Ausmaß der Zerstörung auf dem Raffinerie-Gelände ist erschreckend", beschrieb Herrmann seine Eindrücke. Umso mehr dankte er den Einsatzkräften: "Das schnelle, mutige und professionelle Eingreifen von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rettungsdienst hat Schlimmeres verhindert. Dazu hat auch die gute Einsatzausstattung beigetragen. Die Zusammenarbeit zwischen den Einsatzkräften war hervorragend." Wie der Minister erklärte, werden nach Abschluss der Löscharbeiten die Ermittlungen zur Aufklärung der Unglücks-Ursache auf Hochtouren fortgeführt. Dazu würden auch Brandexperten der Kriminalpolizei Ingolstadt und aus dem Landeskriminalamt hinzugezogen.

Vize-Landrat Anton Westner (CSU) dankte allen Einsatz- und Hilfskräften für Ihre Hilfe und Unterstützung zur Bewältigung des Katastrophenfalls. „Die Kräfte waren sehr schnell vor Ort und haben durch ihr umsichtiges und professionelles Handeln noch Schlimmeres verhindern können“, so Westner. Zum Glück gebe es nur Verletzte. Diesen wünschte er eine baldige und vollständige Genesung. 

Das von der Pfaffenhofener Kreisbehörde unter der Rufnummer (0 84 41) 27 – 2 60 eingerichtete Bürgertelefon war am heutigen Samstag bis 17 Uhr besetzt, ab Montag sei es ab 8 Uhr wieder erreichbar. „Bei dringenden Anliegen können sich Bürger an die Polizei wenden“, wird betont. 


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