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Die Ilmtalklinik-GmbH kommt offenbar deutlich langsamer aus den roten Zahlen als gedacht: Im kommenden Jahr wird ein operativer Fehlbetrag von 3,8 Millionen Euro erwartet – heuer sind es rund 4,2 Millionen

Von Tobias Zell

Die Ilmtalklinik-GmbH mit ihren beiden Krankenhäusern in Pfaffenhofen und Mainburg kommt offensichtlich deutlich langsamer aus den roten Zahlen als gedacht. Für dieses Jahr war bekanntlich im operativen Bereich ein Defizit von 3,05 Millionen Euro geplant, doch kürzlich musste Geschäftsführer Marcel John bekanntgeben, dass dieses Ziel klar verfehlt wird. Er rechnet für heuer mit einem Minus von 4,19 Millionen Euro. Jetzt bestätige die Klinik-Leitung Informationen unserer Zeitung, wonach man für das kommende Jahr mit einem Defizit von 3,8 Millionen Euro im operativen Bereich rechnet. Nicht zuletzt angesichts dieser Zahlen will der Aufsichtsrat künftig noch genauer hinschauen.

Mehr Sitzungen des Aufsichtsrats

Landrat Martin Wolf (CSU), der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass die Zahl der Aufsichtsrats-Sitzungen von vier auf sechs pro Jahr erhöht wird. „Wir wollen uns ganz eng abstimmen“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Zum einen wolle man die Zwischenbilanzen der Klinik-GmbH und die finanzielle Entwicklung noch intensiver im Blick haben, zum anderen die geplanten Brandschutz-Maßnahmen sowie die vermutlich ab 2017 anstehende Generalsanierung „eng begleiten“.

Geschäftsführer Marcel John prognostizierte bekanntlich erst kürzlich für heuer einen Jahresfehlbetrag von insgesamt 4,84 Millionen Euro. Diese Voraussage wurde auf Basis der vorliegenden Zahlen aus dem Zeitraum von Januar bis September getroffen und ist angeblich auf plus/minus 300 000 Euro genau. Eingeplant war für dieses Jahr ein Gesamt-Minus von 4,53 Millionen Euro. Dass das Gesamtergebnis nur um 300 000 Euro negativer ausfällt als geplant, obwohl im operativen Bereich doch das Defizit um gut 1,1 Millionen Euro höher wird als einkalkuliert, liegt lediglich daran, dass für heuer geplante Brandschutz-Maßnahmen verschoben wurden – allerdings nicht aus finanziellen Gründen, wie John sagte.  

Das operative Ergebnis zeigt, wie wirtschaftlich die Klinik arbeitet. Denn das Gesamtergebnis beinhaltet zum Beispiel auch Ausgaben für Brandschutz-Maßnahmen oder Instandhaltungen, die aber wenig über den eigentlichen Klinik-Betrieb aussagen. Betrachtet man also das operative Ergebnis, zeigt sich folgende Entwicklung: Nach einem Defizit von ziemlich genau drei Millionen Euro im vergangenen Jahr war für heuer ein Minus von 3,05 Millionen Euro  geplant – tatsächlich werden es wohl 4,19 Millionen Euro. Und für das kommende Jahr sieht der aktuelle Entwurf des Wirtschaftsplans ein Minus von 3,8 Millionen Euro vor – das wäre zwar eine Verbesserung gegenüber dem diesjährigen Ergebnis um fast 400 000 Euro, aber eben auch eine Verschlechterung  im Vergleich zu dem eigentlich für heuer erwarteten Ergebnis um 750 000 Euro. 

Höhere Einnahmen

Der Erstentwurf des Wirtschaftsplans für 2016 wurde kürzlich bei einer Klausur-Tagung den Spitzen der Pfaffenhofener Kreistags-Fraktionen vorgestellt und in dieser Woche nun detailliert im Aufsichtsrat besprochen. Aus den Eckdaten, die unserer Zeitung vorliegen, ist zu entnehmen, dass die Klinik-GmbH für das kommende Jahr mit einer Einnahmen-Steigerung um rund 3,49 Millionen Euro auf 56,87 Millionen Euro rechnet. Begründet wird diese positive Prognose mit der Ausweitung des medizinischen Angebots an der Klinik, wie ein Sprecher der Geschäftsleitung auf Anfrage unserer Zeitung erklärte – zum Beispiel im Bereich Neurologie, Akutgeriatrie oder Gefäßmedizin. 

Deutlich steigende Personalkosten

Der Entwurf sieht aber auch eine deutliche Steigerung der Personalkosten vor – um 3,42 Millionen Euro auf 35,58 Millionen Euro. Damit würden also die erwarteten Mehreinnahmen von den gestiegenen Personalkosten aufgefressen. Von Seiten der Klinik erklärt man die massiv steigenden Personalkosten – immerhin rund zehn Prozent – zum einen mit der im Laufe dieses Jahres erfolgten Personalaufstockung, die nächstes Jahr kostenmäßig voll durchschlägt. Zum anderen erwarte man Mehrausgaben durch Tariferhöhungen in Höhe von 950 000 Euro. Im Gegenzug erhofft man sich durch die Personalaufstockung eine Stabilisierung der Teams sowie in der Folge höhere Leistungsfähigkeit und reduzierte Kosten für externes Personal.

Unterm Strich erwartet man jedenfalls laut dem Entwurf für das kommende Jahr ein operatives Minus von 3,8 Millionen Euro. Darin enthalten sind aber auch so genannte Mehrleistungs-Abschläge in Höhe von 1,68 Millionen Euro. Ohne diese Abschläge, die man der Bundespolitik zu verdanken hat, betrüge das operative Defizit im kommenden Jahr nur 2,12 Millionen Euro – und das wären Dimensionen, mit denen man in der Kreispolitik sicher gut leben könnte.

Bei den so genannten Mehrleistungs-Abschlägen geht es darum, dass Kliniken Leistungen, die sie erbracht haben, nicht zu 100 Prozent von den Krankenkassen bezahlt bekommen. Eine durchaus komplizierte Materie, die man – stark vereinfacht – wie folgt erklären kann. Für jedes Jahr vereinbart die Klinik-GmbH mit den Krankenkassen so genannte Leistungspunkte; diese errechnen sich aus der Fallzahl (der Patienten) und aus dem Schweregrad (der Behandlung). Ein Leistungspunkt wird mit einer festen Summe entlohnt. Erarbeitet sich nun eine Klinik in einem Jahr mehr Leistungspunkte, weil sie zum Beispiel mehr Patienten verzeichnet oder mehr Eingriffe durchführt, dann „verkauft“ sie den Krankenkassen sozusagen mehr als ausgemacht. Diese Mehrleistungen bezahlen die Krankenkassen dann aber nicht zu 100 Prozent, sondern nehmen sich eine Art Rabatt – den Mehrleistungs-Abschlag.  

Massive Abschläge

Dieser Abschlag beträgt aktuell 25 Prozent sowie ab dem Jahr 2017 – als Folge der Krankenhaus-Reform – sogar mindestens 35 Prozent. Es kommt aber noch etwas Entscheidendes dazu: Denn der Mehrleistungs-Abschlag fällt jeweils für drei Jahre an. Das bedeutet, dass heuer die Abschläge der Jahre 2013, 2014 und 2015 erhoben werden – im kommenden Jahr dann der aktuelle Abschlag für 2016 plus noch einmal die Abschläge aus den beiden Vorjahren 2015 und 2014. Insgesamt gehen der Ilmtalklinik heuer aufgrund dieser Regelung 680 000 Euro verloren. Im kommenden Jahr rechnet man sogar mit sage und schreibe 1,68 Millionen Euro – die summieren sich aus den Mehrleistungsabschlägen von 2014 (100 000 Euro), 2015 (581 000 Euro) und eben 2016 (eine Million Euro).

Millionen, die Fehlen

Das Tückische an dieser Abschlags-Regelung ist – überspitzt gesagt – dass eine Klinik in gewissem Sinne dafür bestraft wird, wenn sich die Zahlen positiv entwickeln. Hat man zum Beispiel ein schlechtes Jahr, orientieren sich die für das kommende Jahr vereinbarten Leistungspunkte daran. Läuft es in diesem Folgejahr aber wieder besser und man erarbeitet sich deshalb mehr Leistungspunkte, gilt dies wieder als Mehrleistung und der satte Abschlag wird fällig. Bei der Ilmtalklinik-GmbH geht man, wie gesagt, davon aus, dass sich allein für das Jahr 2016 ein Mehrleistungs-Abschlag von rund einer Million Euro ergibt – und diese Million ist dann drei Mal zu bezahlen: in den Jahren 2016, 2017 und 2018.

Grundsätzlich gilt: Zu tragen haben das Defizit der Ilmtaklinik-GmbH mit ihren Krankenhäusern in Pfaffenhofen und Mainburg anteilig die beiden Landkreise Pfaffenhofen (85 Prozent) und Kelheim (15 Prozent) als Gesellschafter.

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