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Aufsichtsrat mit vorzeitigem Abschied von Geschäftsführer John einverstanden – Interimslösung wahrscheinlich – Externes Gutachten soll im Juli vorliegen

(zel/ty) Bei der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats der Ilmtalklinik-GmbH hat das Beratungsunternehmen „Ernst & Young“ einen Zwischenbericht über die Erstellung des Fachgutachtens für die beiden Krankenhäuser in Pfaffenhofen und Mainburg abgegeben. Außerdem wurde über die Nachfolge von Geschäftsführer Marcel John beraten, der bekanntlich um die Auflösung seines Anstellungs-Vertrags zum 31. Juli dieses Jahres gebeten hat, weil er eine Stelle in seiner Heimat gefunden hat. 

Wie Landrat Martin Wolf (CSU) in seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrats nach der Sitzung gegenüber unserer Zeitung erklärte, bestehe von Seiten des Gremiums Einverständnis mit dem vorzeitigen Abschied Johns. Vorzeitig deshalb, weil gemäß Vertrag eigentlich eine sechsmonatige Kündigungsfrist einzuhalten wäre. 

Die abschließende Entscheidung darüber, ob John bereits zum Ende Juli ziehen darf, treffe der Aufsichtsrat der Klinik-Allianz Mittelbayern, so Wolf.  In diesem Gremium sitzen Vertreter aus den Landkreisen Pfaffenhofen, Kelheim und Eichstätt. Als Termin für diese Entscheidung nannte Wolf den 3. Mai. Es gilt als wahrscheinlich, dass man John ungeachtet der Kündigungsfrist ziehen lässt. 

Kritische Stimmen

Nach Informationen unserer Zeitung halten es einige Insider ohnenhin für wenig sinnvoll, dass John derzeit überhaupt noch – auch finanziell weitreichende – Entscheidungen treffen kann. Hinter vorgehaltener Hand gab es zuletzt sogar Stimmen, die der Meinung sind, man hätte John im Grunde sofort freistellen sollen, nachdem er um die Auflösung seines Vertrags gebeten hatte. Die Argumentation: Angesichts der schwierigen Finanzlage und der ungewissen Zukunft der Kliniken würden jetzt möglicherweise noch Weichen gestellt und Kostenfaktoren geschaffen, die sich später – auch vor dem Hintergrund des dann vorliegenden Gutachtens – als ungünstig erweisen könnten. 

Erst Gutachten, dann weitere Entscheidungen 

Bei der Frage der Nachbesetzung in der Geschäftsführung deutet indes vieles auf eine Interimslösung hin, wie heute offiziell mitgeteilt wurde. Eine Entscheidung dazu solle aber voraussichtlich erst mit Fertigstellung des Gutachtens getroffen werden. Abschließend zuständig für den Vertrags-Abschluss mit einem neuen Geschäftsführer ist die Klinik-Allianz Mittelbayern.

Schwerpunkte des derzeit in Arbeit befindlichen Gutachtens über die Ilmtalklinik-GmbH sind „die Aufdeckung von Kostenreserven und die Überprüfung des Leistungsspektrums hinsichtlich der besonderen Herausforderungen für die Standorte Pfaffenhofen und Mainburg“. So steht es in einer Pressemitteilung, die nach der Aufsichtsrat-Sitzung am heutigen Abend veröffentlicht worden ist. 

Will weg: Klinik-Geschäftsführer Marcel John.

Wie zu erfahren war, gab es heute in der Sitzung des Kontroll-Gremiums eine kurze Präsentation von „Ernst & Young“, in der aber noch keine näheren Details genannt wurden. Wolf wollte zu den vorgestellten Inhalten keine Angaben machen. Er zeigte sich aber auf Anfrage der Überzeugung, dass bei dem Gutachten auch tatsächlich all das untersucht wird, was man untersucht wissen will. Da herrsche Übereinstimmung, sagte er. 

Der Abschluss des Gutachtens sei für Ende Juni, Anfang Juli zu erwarten, heißt es in der Mitteilung. Ziel sei es demnach auch, „anhand von Sofortmaßnahmen“ bereits in diesem Jahr „eine Verbesserung der wirtschaftlichen Ergebnis-Entwicklung einzuleiten“. Im vergangenen Jahr hatte die Ilmtalklinik-GmbH mit ihren beiden Krankenhäusern in Mainburg und Pfaffenhofen bekanntlich ein Defizit von 5,1 Millionen Euro gemacht.

Entwicklungs-Perspektiven werden untersucht

Die tiefroten Zahlen hatten, wie berichtet, zuletzt auch verstärkt die Frage nach möglichen Kooperationen aufgeworfen. So mancher liebäugelte gar mit dem Verkauf, während die meisten Pfaffenhofener Kreispolitiker die beiden Krankenhäuser weiterhin in kommunaler Hand wissen wollen. Die Kelheimer machen sich sowieso für eine weitere Eigenständigkeit der beiden Kliniken stark, denn der Kreis Kelheim hat nur 15 Prozent des Defizits zu tragen, während der Kreis Pfaffenhofen – gemäß der Gesellschafter-Anteile – 85 Prozent übernehmen muss. 

Dazu erklärte Wolf heute Abend: „Fragen einer möglichen Kooperation sollen erst näher untersucht werden, wenn die eigenen Entwicklungs-Perspektiven der Ilmtalklinik klar umrissen sind.“ Will sagen: Man möchte offenbar erst das komplette Gutachten auf dem Tisch haben, um zu sehen, welche wirtschaftliche Zukunft die Berater von „Ernst & Young“ den beiden Krankenhaus-Standorten attestieren.

Zum Hintergrund 

John beantragte Anfang April die Auflösung seines Vertrags zum 31. Juli dieses Jahres. Er hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit eigentlich sechsmonatiger Kündigungsfrist – deshalb war auch ein Beschluss des Klinik-Aufsichtsrats notwendig, um das Arbeitsverhältnis in beiderseitigem Einvernehmen vorzeitig beenden zu können. 

John habe sich zu dem Schritt aus persönlichen Gründen entschieden, ließ er wissen. Er kehrt mit seiner Familie zurück in seine Heimat Thüringen, wo er ebenfalls die Position als Geschäftsführer eines Klinikverbunds im Umkreis von Erfurt übernehmen wird. Aus dieser Gegend kommt John, auch seine ganze Familie lebe dort, sagte er uns.  

Es sei „keine leichte Entscheidung“ gewesen, sagte John Anfang April im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch ihm habe sich eine „einzigartige Gelegenheit“ offenbart. Die Option, einen attraktiven Posten in seiner Heimat anzunehmen, habe sich durch Zufall ergeben. Er habe sich nicht aktiv nach anderen Stellen umgesehen oder nach Alternativen gesucht; auch andere Bewerbungen habe es von seiner Seite nicht gegeben. Seinen Worten war aber auch zu entnehmen: Er freut sich sehr darauf, wieder in seine Heimat zurückzukehren – eine „einzigartige Gelegenheit“ sei das, „wie ein Sechser im Lotto“.

Vorschuss-Lorbeeren für John, Ermittlungen gegen Woedl

John war mit Wirkung zum 1. Mai 2014 als neuer Geschäftsführer der Ilmtalklinik-GmbH berufen worden. Er trat – nach einer Interimslösung – die Nachfolge des fristlos gekündigten Marco Woedl an. Woedl waren auf Beschluss des Pfaffenhofener Kreistags hin rund 200 000 Euro Abfindung bezahlt worden – gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Ingolstadt inzwischen seit längerer Zeit wegen Betrugsverdachts, Gegenstand der Ermittlungen sind mehrere Geschäftsvorgänge in seiner Zeit als Chef der Ilmtalklinik-GmbH.  

Marcel John war vor seinem Wechsel nach Pfaffenhofen als alleiniger Geschäftsführer der Herz-Jesu-Krankenhaus-GmbH in Wien tätig. Er wechselte mit großen Vorschuss-Lorbeeren und bestem Ruf in die Hallertau. Seine Aufgabe in Pfaffenhofen lautete: Die Ilmtalklinik-GmbH aus den tiefroten Zahlen führen und fit für die Zukunft machen – und das vor dem Hintergrund immer schwieriger werdender gesundheitspolitischer Rahmenbedingungen. 

Tiefrote Zahlen

Im vergangenen Jahr betrug das Defizit der Klinik-GmbH satte 5,1 Millionen Euro, weshalb zuletzt auch Zweifel an Johns Marschrichtung laut geworden waren. Das externe Gutachten wurde angesichts dieser tiefroten Zahlen in Auftrag gegeben – es soll den eingeschlagenen Kurs beleuchten, und damit im Grunde auch Johns Wirken. Das Ergebnis dieser Expertise, die im Sommer erwartet wird, dürfte ihn nicht mehr betreffen. Die Zukunft der Klinik findet ohne ihn statt.  

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