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Die angekündigte Schließung des Therapie-Beckens sorgt für Unmut – Es wird von 110 Rheuma-Patienten regelmäßig genutzt, außerdem für Baby- und Kinderschwimmen – Die Krankenhaus-Leitung gibt sich wortkarg.

Von Tobias Zell 

Die Ilmtalklinik-GmbH mit ihren beiden Krankenhäusern in Pfaffenhofen und Mainburg steht nicht zuletzt wegen des alljährlichen Millionen-Defizits immer wieder in den Schlagzeilen. Zudem hatte unsere Zeitung kürzlich aufgedeckt, dass am Standort Pfaffenhofen über Jahre mutmaßlich immer wieder schwarz gebaut sowie der Brandschutz massiv vernachlässigt worden ist. Während in diesem Zusammenhang viele Fragen – unter anderem nach der Verantwortlichkeit – nach wie vor unbeantwortet sind, droht jetzt neuer Unmut. 

Das Therapie-Becken, das unter anderem von etwa 110 Rheuma-Patienten regelmäßig genutzt wird und in dem auch das Baby-Schwimmen stattfindet, soll dichtgemacht werden. Aus Brandschutz-Gründen, wie es heißt. Doch viel mehr ist dazu aus der Klinik nicht zu erfahren, man gibt sich zugeknöpft. Informationstechnisch taucht man sozusagen ab. Die Öffentlichkeitsarbeit der Krankenhaus-GmbH ist augenscheinlich ohnehin fast zum Erliegen gekommen. Bis auf vereinzelte Pressemitteilungen mit Ankündigungen zu Vorträgen, zum Beispiel über Rückenleiden oder den Dickdarm, kommt da kaum etwas.

 

Nur soviel war jetzt auf Anfrage zu erfahren: Ja, das Therapie-Becken wird Ende Juni geschlossen. Es gehe um den Brandschutz, sagt Klinik-Sprecherin Bianca Frömer. Angeblich müsste eine neue Decke eingezogen werden, doch da geht es anscheinend auch um die Kosten. Nähere Hintergründe dazu müssen vorerst ebenso offenbleiben, wie die Antwort auf die schlichte Frage, ob man überhaupt vorhat, das Becken jemals wieder zu öffnen, oder ob es für immer geschlossen wird. Aus dem Krankenhaus sind momentan jedenfalls keine näheren Auskünfte zu erwarten: „Wir geben da derzeit nichts raus“, stellte Frömer heute nach Rücksprache mit Interims-Geschäftsführer Ingo Goldammer klar. 

Mit besonderem Interesse verfolgt Renee Wenninger die Entwicklung in Sachen Therapie-Becken. Sie ist die Vize-Vorsitzende der Pfaffenhofener Rheuma-Liga und berichtet unserer Zeitung von einem Schreiben, in dem die Klinik-Geschäftsführung mitgeteilt habe, dass das Bewegungsbad zum 30. Juni eingestellt werde. Wenniger & Co. sind freilich wenig begeistert von dieser Botschaft. Dem Vernehmen nach sind bereits eine Unterschriften-Sammlung und Leserbriefe angedacht. Es brodelt offenbar bereits.

 

Wenninger selbst gibt sich indes viel Mühe, in aller Sachlichkeit die Bedeutung dieses Warmwasser-Beckens zu unterstreichen. Es handle sich hier um ein von Ärzten verordnetes und von der Krankenkasse genehmigtes Funktionstraining, das von den Patienten über die Deutsche Rheuma-Liga an der Pfaffenhofener Ilmtalklinik absolviert werde. Insgesamt zählt die Rheuma-Liga ihren Worten zufolge 137 Mitglieder im Raum Pfaffenhofen, davon machen 80 auf Basis von zum Teil ein bis zwei Jahre laufenden ärztlichen Verordnungen ihr Bewegungstraining in dem Becken. Weitere 30 Personen absolvieren laut Wenninger die Übungen auf eigene Kosten – und zwar über den „Rheuma-Kreis“, der einst ja sogar von der Klinik initiiert worden sei. 

Rund 110 Rheuma-Patienten aus der Region sind also mehr oder weniger auf dieses Warmwasser-Becken angewiesen. Außerdem finden dort auch das Baby- und Kleinkinder-Schwimmen sowie weitere Therapien statt. Wenninger betont, dass sie nur für die Rheuma-Liga sprechen kann und will. Doch eines sei klar: Die Schließung des Beckens betreffe unterm Strich einen durchaus großen Personenkreis.

 

Die Rheuma-Liga hat laut Wenninger bereits einen Brief an Landrat Martin Wolf (CSU) geschickt, der ja zugleich Vorsitzender des Klinik-Aufsichtsrats ist. In dem Schreiben habe man um ein persönliches Gespräch gebeten. Wissen möchte man dabei vor allem, ob das Therapie-Becken lediglich übergangsweise oder für immer geschlossen werden soll. Denn das, sagt Wenniger, gehe aus dem Schreiben von der Klinik-Leitung nicht hervor.

Aus dem Landratsamt gibt es auf Anfrage unserer Zeitung eine knappe Antwort: „Es werden Gespräche geführt mit dem Ziel, das therapeutische Schwimmen in Pfaffenhofen für die Zukunft sicherzustellen“, lässt sich Wolf zitieren. 

„Ich checke momentan alle Seiten ab, wir prüfen alle Optionen“, sagt derweil Renee Wenninger. Auch das Gespräch mit dem Pfaffenhofener Bürgermeister Thomas Herker (SPD) wolle man suchen. Der habe bereits zugesichert, dass sämtliche Vereine an einen Tisch gebeten werden, um ihre jeweiligen Bedürfnisse zu thematisieren. Die Kreisstadt will ja bekanntlich zusammen mit dem Landkreis ein neues Hallenbad errichten, das über die reine Funktionalität als Schwimmstätte hinausgeht.

 

Wenniger verweist darauf, „dass Rheuma-Kranke durch Therapie wesentlich länger mobil bleiben können und so nicht so schnell von einer möglichen Behinderung betroffen sind“. Es geht also hier nicht bloß um ein Wasserbecken, „das hat auch etwas mit gesundheitsorientierter, sozialer Verantwortung zu tun“. Spezielle Übungen im warmem Wasser ermöglichen laut Wenninger eine leichtere Bewegung der einzelnen Gelenke; das Training sei effektiver. Dabei sei die Temperatur des Wassers entscheidend – derzeit seien es 34 Grad, sagt sie, 31 Grad sollten es aber mindestens sein. 

Durch den Wegfall des Therapie-Beckens an der Ilmtalklinik würde „eine Schneise ins System geschnitten“, warnt Wenninger. Es gebe 400 verschiedene Formen von rheumatischen Erkrankungen – auch Arthrose gehöre dazu. „Das kann jeden Bürger treffen“, betont sie. 

Der Rheuma-Liga wurde laut Wenninger angeboten, nach der Schließung des Beckens eine alternative Bewegungs-Therapie zu machen. Sie geht aber – unter Berufung auf entsprechende Rückmeldungen der Mitglieder – davon aus, dass das von den Betroffenen kaum angenommen wird. „Die meisten fahren von weit her“, sagt sie, „der Einzugsbereich ist sehr groß.“ Die Leute kommen demnach nicht nur aus dem Raum Pfaffenhofen, sondern auch aus Dachau, Freising, Ingolstadt und dem Kreis Neuburg-Schrobenhausen. „Die Ilmtalklinik wird da sehr viele Leute verlieren“, prophezeit Wenninger. Und zwar Leute, die ihren Worten zufolge bis dato auch noch andere Therapie-Angebote an der Klinik nutzen. 

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