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FDP-Landrats-Kandidat Franz Niedermayr verurteilt die Schließung des Therapie-Beckens und die geplanten Parkgebühren, kritisiert Landrat Martin Wolf (CSU) und findet die "Geheimniskrämerei" um die Geschäftszahlen "unerträglich"

(ty/zel) „Sind denn jetzt alle verrückt geworden?“, fragt sich Franz Niedermayr, der Landrats-Kandidat der FDP. Es geht um die angekündigte Schließung des Therapie-Beckens an der Pfaffenhofener Ilmtalklinik. Eine Entscheidung, die von der Geschäftsführung um Ingo Goldammer getroffen wurde, die dieser Tage bekannt geworden ist und von der angeblich auch der Aufsichtsrat vorab nicht informiert war. 

Angesichts dieses neuerlichen Aufregers holt Niedermayr zum Rundumschlag aus. „Der Ausverkauf der Klinik hat offensichtlich schon begonnen“, befürchtet er. Landrat Martin Wolf (CSU) wirft er vor, er wisse als Vorsitzender des Klinik-Aufsichtsrats offenbar nicht, was der Geschäftsführer treibt. Und die „Geheimniskrämerei“ um die Geschäftszahlen und das Defizit der Krankenhaus-GmbH ist für den FDP-Politiker „unerträglich“.

 

Aus der Sicht von Niedermayr wird mit der Schließung des Therapie-Beckens an der falschen Stelle operiert. Sein Vergleich lautet wie folgt. „Stellen Sie sich einen Unfall vor: Ein Schwerverletzter wird ins Krankenhaus eingeliefert, innere Organe sind geschädigt, offene Schädelverletzung – und die erste Amtshandlung des verantwortlichen Notarztes ist die Amputation des kleinen linken Zehs, denn der ist auch gebrochen.“ Er sei froh, dass die Klinik-Leitung nicht auch noch im OP stehe, meint der FDP-Politiker in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung: „Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man darüber lachen.“ 

"Angst vor jahrelangem Versagen?"

Kurz vor der am 7. Mai stattfindenden Pfaffenhofener Landrats-Wahl „scheint sich im Landratsamt und bei der Klinik-Leitung eine gewisse operative Hektik zu verbreiten“, urteilt Niedermayr und fragt sich: „Wovor hat man Angst, etwa vor jahrelangem Versagen?“ Seine Sicht der Dinge liest sich so: „Nach sechs Jahren, in denen nicht wirklich Sinnvolles passiert ist, wird plötzlich verkündet, dass jetzt der ambulante Notfalldienst kommt – allerdings erst 2018. Dann wird ein neuer Geschäftsführer aus dem Hut gezaubert – der wird aber auch erst 2018 richtig installiert. Und als Krönung soll jetzt noch das Therapie-Becken geschlossen werden – jetzt aber kurzfristig und wegen der Kosten.“

 

Das Therapie-Becken soll geschlossen werden (Foto: Ilmtalklinik)

Wie von unserer Zeitung berichtet, wären von der Schließung des Beckens unter anderem etwa 110 Rheuma-Patienten aus der Region betroffen, die dort regelmäßig ihr Training absolvieren. „Wo sollen die betroffenen Kranken jetzt hin?“, will Niedermayr wissen. „Will der Landkreis einen Pendelbus nach Bad Gögging installieren?“ 

Auch den geplanten Parkgebühren am Pfaffenhofener Krankenhaus steht Niedermayr skeptisch gegenüber. „Als ob dies irgendeinen Einfluss auf die offensichtlichen massiven Probleme der Klinik hätte.“ Sein Fazit: „Der Ausverkauf der Klinik hat offensichtlich schon begonnen.“ Der FDP-Politiker fragt sich, ob am Ende die Schließung der Ilmtalklinik stehen wird. Oder ob man gerade dabei sei, die Braut zu schmücken, um an einen privaten Träger zu verkaufen. 

"Einsame Entscheidungen im Hinterzimmer"

Beide Varianten möge man sich gar nicht vorstellen, unterstreicht Niedermayr und schimpft: „Mit regionaler Gesundheitsvorsorge hat das alles nichts zu tun. Und mit einem geordneten Umbaukonzept schon gar nicht.“ Hier werden seiner Ansicht nach „einsame Entscheidungen im Hinterzimmer getroffen und die Bevölkerung darf dann das Ergebnis in der Zeitung lesen. So kann das nicht weitergehen.“ 

Wenn man im Internet recherchiert, stellt man nach den Worten von Niedermayr fest, dass es schon seit ein paar Jahren Mode ist, Therapie-Becken zu schließen, um Kosten zu sparen. Da habe Goldammer nichts Neues erfunden. Und der FDP-Landrats-Kandidat greift auch gleich vor: „Sollte jetzt der Vorschlag kommen, das Therapie-Becken vorübergehend zu schließen, dann ist dies lediglich ein Beruhigungsmittel. Kliniken, die behauptet haben, das Bad vorübergehend zu schließen, haben in der Regel nicht wieder geöffnet.“ Außerdem fragt sich Niedermayr, warum man eine solche Maßnahme nicht mit der Eröffnung des in Pfaffenhofen anstehenden Hallenbad-Neubaus koordiniert.

"...könnte man fast darüber lachen"

Und der Liberale ist noch nicht fertig. „Vermutlich acht Millionen Euro beträgt das jährliche Defizit und vermutlich mehr als eine halbe Million Euro kostet die Klinik-Leitung derzeit im Jahr; da ist das Gehalt des neuen Geschäftsführers noch gar nicht eingerechnet“, mutmaßt er. Kritik geht in diesem Zusammenhang auch an Landrat Martin Wolf (CSU), den Vorsitzenden des Klinik-Aufsichtsrats. Gerade sei der damit befasst, den Vertrag mit Goldammer zu verlängern – und wisse anscheinend gar nicht, was dieser so treibe. 

Die Weichenstellungen in Sachen künftiger Klinik-Leitung sind für den FDP-Politiker ohnehin „erstaunlich“, wie er es formuliert: „Da sucht man jahrelang nach einer Lösung, findet keine, und plötzlich, so kurz vor der ersten der vielen Wahlen, hat man eine parat. Wenn der Anlass nicht so ernst wäre, könnte man fast darüber lachen.“

 

Als „unerträglich“ bezeichnet Niedermayr zudem „die Geheimniskrämerei um die Zahlen“. Die Bevölkerung hat seiner Meinung nach ein Anrecht darauf, zu erfahren, wie es mit den Defiziten aussieht. Die beiden Landkreise Pfaffenhofen (85 Prozent) und Kelheim (15 Prozent) müssen bekanntlich als Gesellschafter der Klinik-GmbH alljährlich das Defizit aus dem laufenden Betrieb ausgleichen – mit Steuergeldern.

Außerdem, so Niedermayer, „zahlen wir Bürger jedes Jahr einen beträchtlichen Beitrag an die Krankenkassen. Da wüsste man schon gerne, welche Abteilung wie viel kostet und wie hoch das Defizit jeder einzelnen Abteilung ist“.  Es könne doch nicht so schwer sein, das auszurechnen: „Links die Ausgaben, rechts die Einnahmen, unten zusammenzählen und die Differenz ermitteln.“ 

Der Kreis Pfaffenhofen sei Eigentümer des Krankenhauses – und ein Landkreis sei kein privatwirtschaftliches Unternehmen, betont Niedermayr. „Wer das Geld der Landkreis-Bürger ausgeben will, muss sie vorher anhören“, fordert er: „Manche im Aufsichtsrat scheinen das nicht für nötig zu halten.“ Das müsse sich ändern. Was der Landkreis brauche, sei eine verlässliche Basisversorgung am Standort Pfaffenhofen zu bezahlbaren Kosten. „Am 7. Mai ist Landrats-Wahl, da werden die Bürger auch darüber abstimmen.“ 

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